Die Startseite Aktuelle Nachrichten Schlaue Zuwanderer tun das längst

Schlaue Zuwanderer tun das längst

Viele Deutsche erkennen es viel zu spät

von Sandra Nitz

Werbung

Mit dem Studium änderte sich auch meine Finanzierung

Als ich mich an der Universität einschrieb, endete die bisherige Unterstützung für meinen Lebensunterhalt. Stattdessen beantragte ich Ausbildungsförderung.

Werbung

Bei der Berechnung wurde unter anderem das Einkommen meiner Eltern in Belarus berücksichtigt. Ich machte damals scherzhaft die Bemerkung, dass man ihnen wahrscheinlich ebenfalls Unterstützung anbieten würde, sobald die deutschen Stellen ihre Einkommensnachweise sähen.

Mir wurde der damalige Höchstbetrag bewilligt. Anfangs erhielt ich etwa 680 Euro monatlich, später waren es ungefähr 730 Euro.

Auch diese Erfahrung war an meine persönliche Situation und die damaligen Voraussetzungen gebunden. Daraus lässt sich kein allgemeiner Anspruch für alle Studierenden ableiten.

Für mein Studium zahlte ich einen Semesterbeitrag von ungefähr 200 Euro. Darin waren unter anderem die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und verschiedene studentische Vergünstigungen enthalten. Für mich war das finanziell gut zu bewältigen.

Als Studentin verbesserten sich außerdem meine Möglichkeiten, nebenbei zu arbeiten. Ich hatte den Eindruck, dass Unternehmen für studentische Beschäftigte eher passende Stellen anboten. So ergaben sich neue Chancen, Berufserfahrung in Deutschland zu sammeln.

In Berlin begann ich mit einem gemieteten Zimmer

Mein späterer Umzug nach Berlin bedeutete noch einmal einen Neuanfang. Besonders die Wohnungssuche war schwierig.

Bei Bewerbungen um eine Wohnung spielte das Verhältnis zwischen Einkommen und Miete eine große Rolle. Ich begegnete häufig der Erwartung, dass die Wohnkosten nur einen begrenzten Teil des Nettoeinkommens ausmachen sollten. Mit meinem damaligen Gehalt schränkte das die Auswahl deutlich ein.

Deshalb mietete ich zunächst für ungefähr ein halbes Jahr ein Zimmer. Dafür zahlte ich zwischen 400 und 500 Euro im Monat.

Als mein Mann nach Deutschland kam, fanden wir über eine Kollegin eine gemeinsame Wohnung. Sie zog gerade aus, und wir konnten die Gelegenheit nutzen. Die Miete betrug 615 Euro. Die Wohnung lag noch innerhalb Berlins, allerdings sehr weit außerhalb.

Dort blieben wir etwa ein Jahr. In dieser Zeit verbesserte sich unsere finanzielle Situation: Mein Gehalt stieg, und mein Mann fand ebenfalls Arbeit.

Danach konnten wir uns eine Dreizimmerwohnung in einem zentraler gelegenen Stadtteil leisten. Zum Zeitpunkt meiner ursprünglichen Erzählung zahlten wir dafür monatlich 1.200 Euro.

Aus der ersten Hilfe wurde allmählich finanzielle Unabhängigkeit

Wenn ich an meine Anfangszeit zurückdenke, sehe ich vor allem, wie viel Druck mir die Unterstützung genommen hat. Ich musste nicht gleichzeitig eine Unterkunft finanzieren, eine neue Sprache lernen und sofort irgendeine Arbeit finden, um den nächsten Monat zu überstehen.

Das bedeutete allerdings nicht, dass mein weiterer Weg von selbst feststand. Die erfolglosen Bewerbungen waren eine schwierige Erfahrung. Ich musste meine Erwartungen korrigieren und nach einer anderen Möglichkeit suchen, beruflich weiterzukommen.

Deutschunterricht, Studium und erste Arbeitserfahrungen halfen mir dabei, Schritt für Schritt unabhängiger zu werden.

Irgendwann stellte sich die Frage nach der Staatsangehörigkeit

Im Rahmen meines Aufnahmeverfahrens erhielt ich damals einen unbefristeten Aufenthaltstitel. Später beschäftigte ich mich mit der Einbürgerung.

Zu jener Zeit waren dafür andere Fristen und Vorgaben relevant als möglicherweise heute. Auch die Frage, ob ich meine belarussische Staatsangehörigkeit aufgeben müsste, war für mich ein Thema.

Der Gedanke daran war mit einem ungewöhnlichen bürokratischen Detail verbunden: Für die Entlassung aus der belarussischen Staatsangehörigkeit sollte ich einen Antrag an den Präsidenten richten. Darüber machte ich damals einen politischen Scherz.

Hinter diesen Formalitäten stand für mich aber eine sehr persönliche Entwicklung. Das Land, das mich als Zehnjährige so beeindruckt hatte, war inzwischen der Ort geworden, an dem ich studierte, arbeitete und mit meinem Mann lebte.

Die staatliche Hilfe gehörte zu meinem Anfang in Deutschland. Mit der Zeit konnte ich meinen Lebensunterhalt selbst verdienen und meine weiteren Entscheidungen auf einer anderen finanziellen Grundlage treffen.

Sie können auch mögen

logo-white

Haftungsausschluss

Dieser Blog dient ausschließlich zu Informationszwecken. Die Inhalte werden mit Sorgfalt erstellt, jedoch wird keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität übernommen. Externe Links liegen außerhalb unseres Einflussbereichs; für deren Inhalte sind ausschließlich die jeweiligen Betreiber verantwortlich.

© 2026 Alle Rechte vorbehalten | Gong Now GmbH