Mein Neustart in Deutschland: Wie staatliche Hilfe mir den Weg in ein selbstständiges Leben erleichterte
Als ich nach Deutschland kam, hatte ich einen lang gehegten Wunsch im Gepäck. Was mir dagegen fehlte, waren ein Arbeitsplatz und ein eigenes Einkommen. In dieser Übergangszeit erhielt ich Unterstützung: Meine Unterkunft wurde bezahlt, ich war krankenversichert, konnte Deutsch lernen und bekam Geld für den Lebensunterhalt.
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Das klingt vielleicht nach einem sorgenfreien Anfang. Tatsächlich nahm mir diese Hilfe einen großen Teil des finanziellen Drucks. Eine berufliche Perspektive musste ich mir trotzdem erst erarbeiten. Gerade die Suche nach einer Stelle stellte sich als wesentlich schwieriger heraus, als ich erwartet hatte.
Meine Geschichte beschreibt meinen damaligen Weg im Rahmen der jüdischen Zuwanderung. Die genannten Beträge und Voraussetzungen beziehen sich auf diese Zeit und lassen sich nicht auf alle Menschen übertragen, die heute nach Deutschland ziehen.
Der Wunsch auszuwandern entstand schon in meiner Kindheit
Meine erste Reise nach Deutschland machte ich mit zehn Jahren. Ich besuchte meine Großeltern, die 2001 im Rahmen der jüdischen Zuwanderung dorthin gezogen waren.
Für mich war damals vieles neu und beeindruckend. Selbst der Besuch in einem gewöhnlichen Kaufhaus blieb mir lange in Erinnerung. Ich nahm die Umgebung mit den Augen eines Kindes wahr und war überzeugt, dass ich eines Tages ebenfalls hier leben wollte.
Dieser Gedanke verschwand auch später nicht. Als ich in Minsk studierte, war Deutschland längst mehr als ein schönes Urlaubsziel. Ich begann, mich ernsthaft mit den Voraussetzungen für einen Umzug zu beschäftigen.
Warum ich zunächst mein Studium abschließen musste
Als meine Großeltern auswanderten, galten andere Aufnahmebedingungen als zu dem Zeitpunkt, an dem ich meinen Antrag vorbereitete. Für mich reichte der Nachweis der jüdischen Herkunft allein nicht aus. Auch meine Ausbildung, mein Alter, Berufserfahrung und Deutschkenntnisse spielten bei der Bewertung eine Rolle.
Nach den damaligen Kriterien wurden dafür Punkte vergeben. Ein Hochschulabschluss konnte die Chancen verbessern, ebenso Berufserfahrung und Sprachkenntnisse. Außerdem wurde eingeschätzt, welche Voraussetzungen jemand für die Integration mitbrachte.
Deshalb war mein Diplom für mich entscheidend. Ohne den Studienabschluss hätte ich die erforderliche Punktzahl nicht erreicht. Ich beendete also zunächst mein Studium in Minsk und stellte anschließend den Antrag.
Die Unterlagen zusammenzutragen war aufwendig, aber aus meiner Sicht auch ohne bezahlte Hilfe machbar. Ich orientierte mich an den Informationen der Botschaft, ließ Dokumente übersetzen und kümmerte mich um die erforderlichen Beglaubigungen.
Ich wollte zunächst in die Nähe meiner Familie ziehen. Meine Großeltern lebten in der Region, meine Tante mit ihrer Familie in Köln. Deshalb entschied ich mich für den Raum Düsseldorf. Ungefähr sechs Monate nach der Antragstellung erhielt ich die Zusage.
Kurz vor der Ausreise kam mein Privatleben dazwischen
Ausgerechnet an dem Tag, an dem ich meine Unterlagen einreichte, lernte ich einen Mann aus Moskau kennen. Wir wurden ein Paar, und plötzlich stand neben meinem langjährigen Auswanderungsplan eine neue Beziehung.
Ich wollte herausfinden, ob wir eine gemeinsame Zukunft hatten. Deshalb zog ich zunächst für neun Monate nach Moskau.
Dort ging es uns gut. Mein Partner wollte, dass ich blieb. Gleichzeitig gab es noch keine verbindliche Entscheidung darüber, wie unser gemeinsames Leben aussehen sollte. Für mich wurde das zunehmend schwierig: Ich wollte die Möglichkeit zur Auswanderung nicht aufgeben und später feststellen, dass unsere Beziehung doch keine Zukunft hatte.
Schließlich sprach ich offen mit ihm. Wenn wir heiraten und als Familie planen wollten, konnten wir gemeinsam über unseren Wohnort entscheiden. Ohne diese Verbindlichkeit wollte ich meinen eigenen Weg weitergehen.
Zunächst reiste ich allein nach Deutschland. Später kam er nach, und wir heirateten.
Die erste Unterkunft war ein Hotelzimmer
Nach meiner Ankunft sollte ich eigentlich in einem Wohnheim untergebracht werden. Dort war jedoch kein Platz frei. Deshalb wohnte ich während der ersten drei Monate in einem Hotel, dessen Kosten die Stadt übernahm.
Anschließend konnte ich in eine Wohnung ziehen. Auch die Wohnkosten wurden damals übernommen. Hinzu kamen die Krankenversicherung, Sprachkurse und eine monatliche Unterstützung von ungefähr 400 Euro.
Für meine damaligen Lebensumstände war das ausreichend. Die großen Ausgaben musste ich nicht selbst tragen, und für Lebensmittel kam ich mit dem Geld gut zurecht.
Ich kannte staatliche Unterstützung bereits aus der Situation meiner Großeltern. Sie waren im Rentenalter nach Deutschland gekommen und erhielten Hilfe für ihren Lebensunterhalt und ihre Wohnkosten. Wegen ihrer gesundheitlichen Einschränkungen wurden sie außerdem im Alltag unterstützt. Mein Großvater bekam nach meiner damaligen Kenntnis auch einen Zuschlag im Zusammenhang mit seiner Erkrankung.
Bei mir ging es vor allem darum, nach der Ankunft eine Grundlage für das weitere Leben aufzubauen.
Mein Alltag bestand zunächst aus Formularen und Deutschunterricht
Der erste Monat war von Behördenterminen geprägt. Ich musste meine Krankenversicherung organisieren, mich um Steuer- und Rentenversicherungsnummer kümmern und viele weitere Formalitäten erledigen.
Danach bekam mein Alltag einen festen Rhythmus. Ich besuchte einen Sprach- und Integrationskurs, der morgens begann und bis etwa 14 Uhr dauerte. Das erinnerte mich stellenweise wieder an die Schule.
Auch die Fahrt zum Unterricht wurde damals übernommen. Dadurch konnte ich mich auf das Lernen konzentrieren, ohne jeden Tag zusätzliche Ausgaben einplanen zu müssen.
Nach dem Integrationskurs wollte ich meine Deutschkenntnisse weiter verbessern. Ich besuchte einen intensiveren Vorbereitungskurs für die Sprachprüfung, die ich für die Aufnahme eines Studiums benötigte.
Die Unterstützung verschaffte mir Zeit, mich sprachlich und organisatorisch zurechtzufinden. Trotzdem blieb die Frage offen, wie ich beruflich Fuß fassen würde.
Ich dachte, die Jobsuche würde schnell gehen
Vor meinem Umzug war ich ziemlich zuversichtlich gewesen. Ich hatte studiert, sprach fließend Englisch und hatte sowohl in Minsk bei einem amerikanischen Unternehmen als auch in Moskau gearbeitet. Inzwischen konnte ich mich außerdem auf Deutsch verständigen.
Ich ging deshalb davon aus, dass sich bald eine passende Stelle finden würde.
Die Realität sah anders aus. Ich verschickte sehr viele Bewerbungen und suchte längst nicht nur nach meiner idealen Position. Auch Stellen im Sekretariat oder in der Assistenz kamen für mich infrage.
Trotzdem wurde ich häufig nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Das war ernüchternd. Meine bisherigen Erfahrungen und mein Abschluss öffneten offenbar weniger Türen, als ich erwartet hatte.
Weil ich nicht wusste, wie ich sonst weiterkommen sollte, entschied ich mich schließlich für ein Studium in Deutschland. Rückblickend denke ich, dass ich auch eine berufliche Umschulung genauer hätte prüfen sollen. Eine solche Qualifizierung hätte möglicherweise ebenfalls gefördert werden können.
Damals erschien mir die Universität jedoch als der sinnvollste nächste Schritt.