Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland bleibt auf einem hohen Niveau. Der IWH-Insolvenztrend weist für Januar 2026 insgesamt 1.391 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften aus – ein Rückgang von 8 Prozent gegenüber dem Vormonat, jedoch immer noch 4 Prozent über dem Niveau von Januar 2025. Besonders betroffen sind mittelständische Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, die unter der schwachen Konjunktur, den gestiegenen Energiepreisen und der Zurückhaltung bei den Investitionen leiden. Aber auch Start-ups und junge Technologieunternehmen, die noch nicht profitabel wirtschaften, geraten in finanzielles Fahrwasser. Viele von ihnen hatten während der Niedrigzinsphase reichlich Kapital einsammeln können, doch angesichts gestiegener Zinsen und vorsichtigerer Investoren werden die Mittel knapp. Die Folge ist eine Bereinigungswelle, die zwar wirtschaftlich notwendig sein mag, aber Arbeitsplätze und Know-how kostet.
Die Insolvenzen sind ein Ausdruck des schwierigen konjunkturellen Umfelds und der strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft. Die Kombination aus hohen Energie- und Rohstoffpreisen, schwacher Binnennachfrage und zunehmendem internationalen Wettbewerbsdruck setzt vor allem die Industrie und die exportabhängigen Branchen unter Druck. Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren ihre Reserven aufgebraucht, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der folgenden Wirtschaftskrisen zu bewältigen, und verfügen nicht mehr über ausreichende finanzielle Polster. Die Krise in der Automobilindustrie, die Umstellung auf die Elektromobilität und der Abbau von Arbeitsplätzen in der klassischen Fertigung strahlen auf den gesamten Mittelstand aus. Zulieferer, Dienstleister und Handwerksbetriebe bekommen die Krise ihrer Kunden direkt zu spüren. Die Bundesregierung bemüht sich mit Kreditprogrammen und Bürgschaften, die Liquidität der Unternehmen zu sichern, doch die bürokratischen Hürden sind hoch und die Mittel begrenzt.
Besonders alarmierend ist die Zunahme der Insolvenzen bei energieintensiven Unternehmen. Die hohen Strom- und Gaspreise der letzten Jahre haben die Produktionskosten für viele Branchen in die Höhe getrieben. Die Chemieindustrie, die Metallverarbeitung und die Papierherstellung sind Beispiele für Sektoren, die enorme Energiemengen benötigen und gleichzeitig im internationalen Wettbewerb stehen. Der Industriestrompreis, der im April von der EU-Kommission genehmigt wurde, soll diesen Unternehmen eine finanzielle Entlastung bringen, doch seine Wirkung wird erst in der zweiten Jahreshälfte voll entfaltet werden. Viele Betriebe benötigen jedoch jetzt dringend Hilfe, um nicht in die Insolvenz rutschen zu müssen. Wirtschaftsverbände fordern eine schnelle und unbürokratische Umsetzung der Hilfen sowie zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen für die mittelständische Wirtschaft.