Die Definition von Prominenz hat sich in den letzten zehn Jahren grundlegend verändert. Während früher der Weg zum Star über klassische Medien wie Film, Fernsehen oder Musik führte und von Gatekeepern wie Plattenfirmen, Sendern und Verlagen kontrolliert wurde, ist diese Macht heute zu einem großen Teil auf die sozialen Plattformen übergegangen. Instagram, TikTok und YouTube haben eine neue Spezies von Berühmtheiten hervorgebracht, die ohne traditionelle Karrierewege zu Ruhm und Einfluss gelangt sind. Diese digitalen Stars sind das Produkt eines Algorithmus, der Reichweite über Talent stellt und die Grenzen zwischen Werbung, Privatleben und Content verschwimmen lässt. In Deutschland hat sich eine lebendige Influencer-Szene etabliert, die von Mode- und Beauty-Influencern über Fitness- und Lifestyle-Gurus bis hin zu politischen Meinungsführern reicht. Die Mechanismen dieser neuen Prominenz folgen eigenen Gesetzen, die für traditionelle Branchen oft schwer zu durchschauen sind.
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Der Unterschied zwischen klassischer und digitaler Prominenz liegt vor allem in der Art der Beziehung zum Publikum. Während Filmstars und Musiker auf Distanz und einer gewissen Unnahbarkeit basierten, inszenieren Influencer Nähe und Zugänglichkeit. Sie teilen ihre täglichen Routinen, zeigen ihre Wohnungen und beantworten Fragen der Community, als wären sie beste Freunde. Diese scheinbare Authentizität ist der Kern ihres Erfolgs, auch wenn sie natürlich genauso inszeniert ist wie jeder Hollywood-Auftritt. Die Follower fühlen sich persönlich angesprochen und entwickeln eine emotionale Bindung, die für Werbepartner Gold wert ist. Unternehmen investieren Milliarden in Influencer-Marketing, weil die Empfehlungen dieser digitalen Persönlichkeiten oft mehr Vertrauen genießen als klassische Werbeanzeigen. Die Verschmelzung von Content und Kommerz ist dabei so nahtlos, dass die Grenzen für viele Konsumenten nicht mehr erkennbar sind. In Deutschland mahnen Verbraucherschützer seit Jahren eine klarere Kennzeichnungspflicht für Werbung an, doch die Entwicklung ist schneller als die Regulierung.
Die deutsche Influencer-Landschaft hat ihre eigenen Charakteristika. Sie ist weniger glamourös und exzessiv als die amerikanische oder britische Szene, dafür aber oft bodenständiger und thematisch breiter aufgestellt. Neben den üblichen Verdächtigen aus Mode und Lifestyle gibt es erfolgreiche Köpfe aus den Bereichen Nachhaltigkeit, DIY, Finanzen, Kochen und sogar Philosophie. Die Plattformen bieten eine Bühne für Menschen, die in den traditionellen Medien nie einen Platz gefunden hätten. Diese demokratisierende Wirkung ist einer der positiven Aspekte der Entwicklung. Allerdings zeigt sich auch eine Schattenseite: Der Druck, ständig neuen Content zu produzieren, die Abhängigkeit von Likes und Kommentaren und die oft brutale Kommentarkultur führen bei vielen Influencern zu Erschöpfungszuständen, die denen traditioneller Prominenter in nichts nachstehen. Im Gegenteil: Weil ihre Karriere direkt an ihre Person und deren tägliche Präsenz gekoppelt ist, gibt es kaum Rückzugsmöglichkeiten. Eine Woche Offline-Zeit kann den mühsam aufgebauten Algorithmus-Vorteil zunichtemachen.