Der Arbeitsmarkt, der sich in den letzten Jahren als erstaunlich widerstandsfähig erwiesen hatte, wird nun zunehmend von der Konjunkturentwicklung beeinflusst. Die IAB-Prognose sieht vor allem für die Industrie und die exportabhängigen Branchen einen Beschäftigungsabbau voraus, während das Gesundheits- und Sozialwesen sowie die öffentliche Verwaltung weiterhin Personal aufbauen dürften. Die Arbeitslosigkeit wird jedoch nicht so stark steigen wie in früheren Rezessionen, da die demografische Entwicklung und der anhaltende Strukturwandel in vielen Bereichen den Druck vom Arbeitsmarkt nehmen. Die Zahl der offenen Stellen geht langsam zurück, und die Unternehmen setzen vermehrt auf Kurzarbeit, um ihre Stammbelegschaften zu halten. Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos – so könnte man die verhaltene Botschaft der IAB-Forscher zusammenfassen.
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Die Handlungsempfehlungen, die aus der IAB-Prognose abgeleitet werden, sind vielfältig und teilweise widersprüchlich. Einerseits wird gefordert, die Konjunktur durch Steuersenkungen und öffentliche Investitionen zu stützen, um die Wirtschaft von der kurzfristigen Schwäche zu befreien. Andererseits mahnen die Schuldenbremse und die hohe Staatsverschuldung zur haushaltspolitischen Disziplin, um die finanzielle Handlungsfähigkeit des Staates langfristig zu bewahren. Das IAB selbst plädiert für einen ausgewogenen Mix aus kurzfristigen konjunkturellen Impulsen und langfristigen Strukturreformen, die das Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft erhöhen. Dazu gehören Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Digitalisierung, eine Reform des Steuer- und Abgabensystems sowie eine aktive Arbeitsmarktpolitik, die den Menschen den Übergang in neue, zukunftsfähige Berufe erleichtert. Die Regierung muss nun entscheiden, welche Prioritäten sie setzen will – und welche politischen Kompromisse dafür nötig sind.
Die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung stellt auch die Tarifpolitik und die sozialen Sicherungssysteme vor Herausforderungen. Sollte die Arbeitslosigkeit tatsächlich steigen und die Lohnzuwächse moderat bleiben, wird der Druck auf die Sozialsysteme zunehmen. Die Rentenversicherung und die Krankenversicherung, die bereits jetzt mit strukturellen Finanzierungsproblemen kämpfen, würden weiter belastet. Die Beitragssätze könnten steigen und die Spielräume für die Konsolidierung der Staatsfinanzen weiter einschränken. In dieser schwierigen Lage ist eine kluge und vorausschauende Wirtschaftspolitik gefragt, die über den Tag hinausdenkt und mutige Entscheidungen nicht scheut. Die IAB-Prognose ist eine Mahnung, die Warnsignale nicht zu übersehen und rechtzeitig gegenzusteuern.