{"id":1934,"date":"2026-05-11T12:29:09","date_gmt":"2026-05-11T12:29:09","guid":{"rendered":"https:\/\/gongnow.com\/?p=1934"},"modified":"2026-05-11T12:29:09","modified_gmt":"2026-05-11T12:29:09","slug":"rentenreform-experten-fordern-neue-regeln-fuer-die-gesetzliche-rente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gongnow.com\/?p=1934","title":{"rendered":"Rentenreform: Experten fordern neue Regeln f\u00fcr die gesetzliche Rente"},"content":{"rendered":"<p data-start=\"196\" data-end=\"461\">Die Diskussion \u00fcber die Zukunft der gesetzlichen Rente in Deutschland bekommt neuen Stoff. Das Institut f\u00fcr Vorsorge und Finanzplanung, kurz IVFP, hat ein Reformpapier vorgelegt, das mehrere grundlegende \u00c4nderungen f\u00fcr die gesetzliche Rentenversicherung vorschl\u00e4gt.<\/p>\n<p data-start=\"463\" data-end=\"757\">Unter dem Titel <strong data-start=\"479\" data-end=\"586\">\u201eReformvorschl\u00e4ge zur GRV \u2013 Neue Ans\u00e4tze f\u00fcr Versorgungsniveau, Renteneintritt und Systemgerechtigkeit\u201c<\/strong> pr\u00e4sentieren Prof. Dr. Thomas Dommermuth, Prof. Michael Hauer und Dr. Andreas Kick ein Konzept, das die Rentendebatte st\u00e4rker an realen Erwerbsbiografien ausrichten soll.<\/p>\n<p data-start=\"759\" data-end=\"1072\">Der Zeitpunkt ist nicht zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt. Im Juni 2026 soll die von der Bundesregierung eingesetzte Alterssicherungskommission ihre Vorschl\u00e4ge zur langfristigen Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherung vorlegen. Das IVFP will sich bereits im Vorfeld in die Debatte einschalten und eigene Impulse setzen.<\/p>\n<p data-start=\"1074\" data-end=\"1252\">Im Kern geht es um eine Frage, die viele Versicherte direkt betrifft: Reicht das bisherige Rentensystem noch aus, um unterschiedliche Lebens- und Arbeitsverl\u00e4ufe fair abzubilden?<\/p>\n<h2 data-section-id=\"213fl7\" data-start=\"1254\" data-end=\"1290\">Kritik am bisherigen Rentenniveau<\/h2>\n<p data-start=\"1292\" data-end=\"1557\">Ein zentraler Punkt des Papiers ist die Kritik an der politischen Fixierung auf das allgemeine Rentenniveau von 48 Prozent. Diese Kennzahl spielt in der Rentenpolitik seit Jahren eine gro\u00dfe Rolle. Sie basiert jedoch auf einem Modellfall: dem sogenannten Eckrentner.<\/p>\n<p data-start=\"1559\" data-end=\"1758\">Dieser Eckrentner hat 45 Jahre lang gearbeitet und in jedem Jahr exakt den Durchschnittsverdienst erzielt. Nach Ansicht des IVFP bildet dieses Modell die Realit\u00e4t vieler Menschen nur unzureichend ab.<\/p>\n<p data-start=\"1760\" data-end=\"2064\">Denn moderne Erwerbsbiografien verlaufen selten so geradlinig. Viele Menschen arbeiten zeitweise in Teilzeit, unterbrechen ihre Erwerbst\u00e4tigkeit, wechseln Branchen oder erzielen erst sp\u00e4ter im Berufsleben h\u00f6here Einkommen. Genau solche Entwicklungen werden im klassischen Eckrentner-Modell kaum sichtbar.<\/p>\n<p data-start=\"2066\" data-end=\"2335\">Das IVFP weist darauf hin, dass gerade Menschen mit akademischen Laufbahnen oder typischen Karriereverl\u00e4ufen mit sp\u00e4ter steigenden Einkommen im Ruhestand ein niedrigeres individuelles Sicherungsniveau erreichen k\u00f6nnen, als es das allgemeine Rentenniveau vermuten l\u00e4sst.<\/p>\n<p data-start=\"2337\" data-end=\"2466\">Anders gesagt: Auch wer lange gearbeitet und viele Rentenpunkte gesammelt hat, kann am Ende eine sp\u00fcrbare Versorgungsl\u00fccke haben.<\/p>\n<h2 data-section-id=\"13prtge\" data-start=\"2468\" data-end=\"2524\">Individuelles Versorgungsniveau soll wichtiger werden<\/h2>\n<p data-start=\"2526\" data-end=\"2821\">Als Alternative schl\u00e4gt das IVFP vor, k\u00fcnftig st\u00e4rker auf das <strong data-start=\"2588\" data-end=\"2622\">individuelle Versorgungsniveau<\/strong> zu schauen. Dabei wird nicht nur die Standardrente eines Modellversicherten betrachtet, sondern das Verh\u00e4ltnis zwischen der pers\u00f6nlichen Rentenleistung und dem Einkommen in den letzten Berufsjahren.<\/p>\n<p data-start=\"2823\" data-end=\"2935\">Diese Kennzahl soll besser zeigen, wie gro\u00df der tats\u00e4chliche Einkommensbruch beim \u00dcbergang in den Ruhestand ist.<\/p>\n<p data-start=\"2937\" data-end=\"3164\">Nach Ansicht der Autoren w\u00e4re das f\u00fcr Versicherte transparenter. Wer wei\u00df, wie stark die eigene Rente vom letzten Erwerbseinkommen abweicht, kann fr\u00fcher erkennen, ob zus\u00e4tzliche private oder betriebliche Vorsorge notwendig ist.<\/p>\n<p data-start=\"3166\" data-end=\"3516\">Das IVFP macht deutlich: Eine Person kann insgesamt 45 Entgeltpunkte erreichen und trotzdem ein vergleichsweise niedriges individuelles Versorgungsniveau haben. Das kann etwa dann passieren, wenn das Einkommen erst in den letzten Berufsjahren stark steigt. Die sp\u00e4tere Rente w\u00e4chst dann nicht im gleichen Tempo mit wie das zuletzt erzielte Einkommen.<\/p>\n<p data-start=\"3518\" data-end=\"3741\">Deshalb pl\u00e4dieren die Autoren daf\u00fcr, die Leistungsf\u00e4higkeit der gesetzlichen Rentenversicherung nicht l\u00e4nger nur an abstrakten Modellf\u00e4llen zu messen. Stattdessen sollten reale Lebensl\u00e4ufe st\u00e4rker in den Mittelpunkt r\u00fccken.<\/p>\n<p data-start=\"3743\" data-end=\"3996\">Perspektivisch k\u00f6nnte dabei auch die gesamte Altersvorsorge einbezogen werden \u2014 also neben der gesetzlichen Rente auch Anspr\u00fcche aus betrieblicher und privater Vorsorge. Als m\u00f6gliche Datengrundlage verweisen die Autoren auf die Digitale Renten\u00fcbersicht.<\/p>\n<p data-start=\"3743\" data-end=\"3996\"><!--nextpage--><\/p>\n<h2 data-section-id=\"1l9mmb4\" data-start=\"3998\" data-end=\"4039\">Rentenanpassung nach Einkommensgruppen<\/h2>\n<p data-start=\"4041\" data-end=\"4325\">Ein weiterer Reformvorschlag betrifft den aktuellen Rentenwert. Dieser wird bislang f\u00fcr alle Versicherten einheitlich angepasst. Das IVFP h\u00e4lt diese Logik f\u00fcr zu grob, weil verschiedene Einkommensgruppen sehr unterschiedliche M\u00f6glichkeiten haben, zus\u00e4tzlich f\u00fcr das Alter vorzusorgen.<\/p>\n<p data-start=\"4327\" data-end=\"4432\">Deshalb schlagen die Autoren vor, die Rentenanpassungsformel um einkommensabh\u00e4ngige Faktoren zu erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p data-start=\"4434\" data-end=\"4690\">Die Idee: Menschen mit unterdurchschnittlichem Einkommen k\u00f6nnten bei der Anpassung des Rentenwerts st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt werden als Versicherte mit h\u00f6heren Einkommen. Dadurch soll schneller ein angemessenes individuelles Versorgungsniveau erreicht werden.<\/p>\n<p data-start=\"4692\" data-end=\"4949\">Das Grundprinzip der gesetzlichen Rentenversicherung soll dabei laut IVFP nicht abgeschafft werden. Wer mehr Beitr\u00e4ge zahlt, soll weiterhin h\u00f6here Rentenanspr\u00fcche erwerben. Trotzdem sehen die Autoren im bestehenden System bereits heute Umverteilungseffekte.<\/p>\n<p data-start=\"4951\" data-end=\"5247\">Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Lebenserwartung. Menschen mit h\u00f6heren Einkommen leben statistisch h\u00e4ufig l\u00e4nger und beziehen ihre Rente daher im Durchschnitt \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum. Geringverdiener haben dagegen oft weniger M\u00f6glichkeiten, Versorgungsl\u00fccken privat oder betrieblich auszugleichen.<\/p>\n<p data-start=\"5249\" data-end=\"5458\">F\u00fcr diese Gruppen ist die gesetzliche Rente h\u00e4ufig die wichtigste S\u00e4ule der Alterssicherung. Genau deshalb will das IVFP die Dynamik der Rentenanpassung st\u00e4rker an der tats\u00e4chlichen Versorgungslage ausrichten.<\/p>\n<p data-start=\"5249\" data-end=\"5458\"><a href=\"https:\/\/gongnow.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/00_45mm.jpg\" data-rel=\"penci-gallery-image-content\" ><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1937 size-large\" src=\"https:\/\/gongnow.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/00_45mm-1024x678.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"678\" srcset=\"https:\/\/gongnow.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/00_45mm-1024x678.jpg 1024w, https:\/\/gongnow.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/00_45mm-300x198.jpg 300w, https:\/\/gongnow.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/00_45mm-768x508.jpg 768w, https:\/\/gongnow.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/00_45mm-1170x774.jpg 1170w, https:\/\/gongnow.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/00_45mm-780x516.jpg 780w, https:\/\/gongnow.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/00_45mm-585x387.jpg 585w, https:\/\/gongnow.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/00_45mm-263x175.jpg 263w, https:\/\/gongnow.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/00_45mm.jpg 1330w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<h2 data-section-id=\"xoyt9a\" data-start=\"5460\" data-end=\"5503\">Renteneintritt zwischen 63 und 70 Jahren<\/h2>\n<p data-start=\"5505\" data-end=\"5674\">Auch beim Renteneintritt schl\u00e4gt das IVFP eine neue Systematik vor. Statt starrer Altersgrenzen soll es k\u00fcnftig einen flexiblen Korridor zwischen 63 und 70 Jahren geben.<\/p>\n<p data-start=\"5676\" data-end=\"5855\">Entscheidend w\u00e4re dabei nicht allein das Alter oder die Zahl der Beitragsjahre. Ma\u00dfgeblich soll vielmehr sein, ob ein ausreichendes individuelles Versorgungsniveau erreicht wurde.<\/p>\n<p data-start=\"5857\" data-end=\"6084\">Wer dieses Niveau bereits erreicht hat, k\u00f6nnte fr\u00fcher ohne Abschl\u00e4ge in den Ruhestand gehen. Wer es noch nicht erreicht, m\u00fcsste weiterhin mit Abschl\u00e4gen rechnen. Umgekehrt k\u00f6nnten Zuschl\u00e4ge greifen, wenn jemand l\u00e4nger arbeitet.<\/p>\n<p data-start=\"6086\" data-end=\"6291\">Nach Einsch\u00e4tzung der Autoren w\u00fcrde ein solches Modell besser zu unterschiedlichen Erwerbsbiografien passen. Besonders Menschen mit langen oder k\u00f6rperlich belastenden Berufswegen k\u00f6nnten davon profitieren.<\/p>\n<p data-start=\"6293\" data-end=\"6417\">Gleichzeitig blieben Anreize erhalten, l\u00e4nger im Erwerbsleben zu bleiben, wenn dies m\u00f6glich und wirtschaftlich sinnvoll ist.<\/p>\n<p data-start=\"6419\" data-end=\"6680\">Das IVFP verweist darauf, dass bestehende Instrumente wie Flexi-Rente oder Aktivrente bereits in eine \u00e4hnliche Richtung gehen. Der eigene Vorschlag gehe jedoch weiter, weil der Renteneintritt systematisch mit dem individuellen Versorgungsniveau verbunden werde.<\/p>\n<h2 data-section-id=\"1hg632s\" data-start=\"6682\" data-end=\"6735\">Finanzierung: M\u00fctterrente, Selbst\u00e4ndige und Beamte<\/h2>\n<p data-start=\"6737\" data-end=\"6857\">Neben den Kernpunkten enth\u00e4lt das Reformpapier weitere Vorschl\u00e4ge zur Finanzierung und Organisation der Alterssicherung.<\/p>\n<p data-start=\"6859\" data-end=\"7134\">So spricht sich das IVFP daf\u00fcr aus, die M\u00fctterrente st\u00e4rker aus Steuermitteln zu finanzieren. Die Begr\u00fcndung: Dabei handele es sich um eine gesamtgesellschaftliche Leistung. Deshalb solle sie nicht \u00fcberwiegend aus Beitr\u00e4gen der gesetzlichen Rentenversicherung bezahlt werden.<\/p>\n<p data-start=\"7136\" data-end=\"7409\">Au\u00dferdem pl\u00e4dieren die Autoren daf\u00fcr, neu hinzukommende Selbst\u00e4ndige verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Das k\u00f6nnte die Finanzierungsbasis verbreitern und zugleich verhindern, dass Selbst\u00e4ndige im Alter ohne ausreichende Absicherung dastehen.<\/p>\n<p data-start=\"7411\" data-end=\"7553\">Kurzfristig w\u00fcrde dadurch die Zahl der Beitragszahler steigen. Die daraus entstehenden Leistungsanspr\u00fcche w\u00fcrden erst deutlich sp\u00e4ter wirksam.<\/p>\n<p data-start=\"7411\" data-end=\"7553\"><!--nextpage--><\/p>\n<p data-start=\"7555\" data-end=\"7845\">Bei der Beamtenversorgung empfiehlt das IVFP dagegen keinen abrupten Systemwechsel. Eine vollst\u00e4ndige Integration bestehender Beamtenverh\u00e4ltnisse in die gesetzliche Rentenversicherung w\u00e4re nach Einsch\u00e4tzung der Autoren mit hohen \u00dcbergangskosten und erheblichem Verwaltungsaufwand verbunden.<\/p>\n<p data-start=\"7847\" data-end=\"8098\">Stattdessen schlagen sie einen schrittweisen Ansatz vor. Langfristig k\u00f6nne gepr\u00fcft werden, in welchen Bereichen neue Verbeamtungen wirklich notwendig sind. Wo eine Verbeamtung nicht zwingend erforderlich ist, k\u00f6nnte ihre Zahl k\u00fcnftig reduziert werden.<\/p>\n<p data-start=\"8100\" data-end=\"8280\">Auf diese Weise lie\u00dfe sich die Trennung zwischen Beamtenversorgung und gesetzlicher Rentenversicherung langsam verringern, ohne das System durch einen harten Schnitt zu \u00fcberlasten.<\/p>\n<h2 data-section-id=\"wajpgw\" data-start=\"8282\" data-end=\"8334\">Fazit: Die Rentendebatte soll pers\u00f6nlicher werden<\/h2>\n<p data-start=\"8336\" data-end=\"8464\">Das Reformpapier des IVFP stellt nicht nur einzelne Stellschrauben zur Diskussion. Es fordert vor allem einen Perspektivwechsel.<\/p>\n<p data-start=\"8466\" data-end=\"8711\">Die gesetzliche Rente soll nicht mehr haupts\u00e4chlich an einem theoretischen Durchschnittsfall gemessen werden. Stattdessen sollen individuelle Erwerbsbiografien, Einkommensverl\u00e4ufe und tats\u00e4chliche Versorgungsl\u00fccken st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p data-start=\"8713\" data-end=\"8934\">Damit r\u00fcckt eine zentrale Frage in den Vordergrund: Nicht nur, wie hoch das allgemeine Rentenniveau ist \u2014 sondern ob Menschen im Ruhestand tats\u00e4chlich genug Einkommen haben, um ihren Lebensstandard angemessen abzusichern.<\/p>\n<p data-start=\"8936\" data-end=\"9119\" data-is-last-node=\"\" data-is-only-node=\"\">Ob die Vorschl\u00e4ge politisch aufgegriffen werden, bleibt offen. Klar ist aber: Die Debatte \u00fcber die Zukunft der gesetzlichen Rente d\u00fcrfte mit Blick auf 2026 weiter an Sch\u00e4rfe gewinnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Diskussion \u00fcber die Zukunft der gesetzlichen Rente in Deutschland bekommt neuen Stoff. 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