{"id":107,"date":"2026-05-05T11:10:28","date_gmt":"2026-05-05T11:10:28","guid":{"rendered":"https:\/\/gongnow.com\/?p=107"},"modified":"2026-05-05T11:10:29","modified_gmt":"2026-05-05T11:10:29","slug":"schwarz-rote-koalition-kampft-nach-einem-jahr-ums-politische-uberleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gongnow.com\/?p=107","title":{"rendered":"Schwarz-rote Koalition k\u00e4mpft nach einem Jahr ums politische \u00dcberleben"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Jahr nach dem Amtsantritt von Bundeskanzler Friedrich Merz und der Bildung einer schwarz-roten Koalition aus CDU\/CSU und SPD steht das Regierungsb\u00fcndnis massiv unter Druck. Am 6. Mai 2025 im zweiten Wahlgang zum Kanzler gew\u00e4hlt, hatte Merz das Versprechen eines politischen Aufbruchs und einer Wiederbelebung der stagnierenden Wirtschaft gegeben. Doch die Bilanz nach zw\u00f6lf Monaten f\u00e4llt ern\u00fcchternd aus. Umfragen zeigen eine dramatische Unzufriedenheit: 76 Prozent der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sind mit der Arbeit der Regierung unzufrieden, und 58 Prozent rechnen nicht damit, dass die Koalition bis zum Ende der Wahlperiode im Jahr 2029 halten wird. Die internen Konflikte zwischen den Koalitionspartnern h\u00e4ufen sich, und die politische Agenda kommt nur schleppend voran. Der angek\u00fcndigte \u201eHerbst der Reformen\u201c ist ausgeblieben, und das Superwahljahr 2026 mit f\u00fcnf Landtagswahlen erh\u00f6ht den Druck auf die Parteien.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Unzufriedenheit spiegelt sich auch in den Umfragedaten der einzelnen Parteien wider. W\u00e4hrend die Union in den Insa-Umfragen zuletzt zwar leichte Gewinne verzeichnete, liegt sie dennoch mit 24 Prozent deutlich hinter der AfD, die auf 28 Prozent kommt und damit st\u00e4rkste politische Kraft w\u00e4re. Die SPD d\u00fcmpelt bei mageren 14 Prozent und hat seit der Bundestagswahl 2025 massiv an Zustimmung verloren.&nbsp;Die FDP und die Linke liegen jeweils bei unter 10 Prozent, und die Gr\u00fcnen k\u00e4mpfen ebenfalls mit sinkenden Umfragewerten. Die politische Mitte, die \u00fcber Jahrzehnte die Bundesrepublik gepr\u00e4gt hat, br\u00f6ckelt. In den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern, wo im Herbst Landtagswahlen anstehen, k\u00f6nnte die AfD laut Prognosen st\u00e4rkste Kraft werden und in zwei L\u00e4ndern sogar den Ministerpr\u00e4sidenten stellen. Die politischen R\u00e4nder profitieren von der Schw\u00e4che der etablierten Parteien.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Koalition steht vor gro\u00dfen inhaltlichen Herausforderungen. Die geplante Wirtschaftsreform, die Steuersenkungen f\u00fcr Unternehmen und eine Reform des Sozialstaats vorsah, ist zwischen Union und SPD heftig umstritten. W\u00e4hrend die CDU auf Deregulierung und Entlastung der Wirtschaft dr\u00e4ngt, pocht die SPD auf soziale Sicherungssysteme und die St\u00e4rkung der Arbeitnehmerrechte. Der Kanzler selbst hat zuletzt durch au\u00dfenpolitische \u00c4u\u00dferungen f\u00fcr Irritationen gesorgt, insbesondere durch seine Kritik am israelisch-amerikanischen Krieg gegen den Iran, die das Verh\u00e4ltnis zu Washington belastete. Intern w\u00e4chst der Unmut \u00fcber den F\u00fchrungsstil von Merz, dem vorgeworfen wird, zu sehr auf Konfrontation und zu wenig auf Konsens zu setzen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch mahnte \u00f6ffentlich mehr R\u00fccksichtnahme in der Koalition an und erinnerte daran, dass Politik auch Streit aushalten m\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p>Die Union versucht unterdessen, mit personellen Weichenstellungen wieder in die Offensive zu kommen. Am 5. Mai 2026 stellte sich Jens Spahn zur Wiederwahl als Fraktionschef der Unionsfraktion im Bundestag. Spahn, der nach einem holprigen Start inzwischen mehr R\u00fcckhalt in der Fraktion gefunden hat, muss sich unter den 208 Abgeordneten von CDU und CSU behaupten. Die Wahl ist nicht nur ein Gradmesser f\u00fcr seine pers\u00f6nliche Stellung, sondern auch f\u00fcr die Geschlossenheit der Union in einer schwierigen Phase der Regierungsarbeit. Anders als andere Bundestagsfraktionen w\u00e4hlt die Union ihren Fraktionschef nach nur zw\u00f6lf Monaten neu \u2013 ein internes Ritual, das in diesem Jahr zur Machtprobe wird. Ein schlechtes Ergebnis f\u00fcr Spahn w\u00fcrde die Position von Kanzler Merz erheblich schw\u00e4chen und k\u00f6nnte die Fliehkr\u00e4fte in der Union weiter verst\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Koalition in Berlin um Halt ringt, brodelt es an der Landesbasis. Bei der Landtagswahl in Baden-W\u00fcrttemberg am 8. M\u00e4rz 2026 erlitt die SPD eine historische Niederlage und sucht nun eine neue F\u00fchrung. In Rheinland-Pfalz formierte sich nach schwierigen Verhandlungen eine neue Regierung aus CDU und SPD, die mit knappen Mehrheiten regiert. F\u00fcr die anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im Herbst sehen Prognosen die AfD in einer Position der St\u00e4rke. Die etablierten Parteien versuchen, mit Brandmauern und Abgrenzungsstrategien eine Regierungsbeteiligung der Rechtspopulisten zu verhindern. Doch die Frage, wie mit einer Partei umzugehen ist, die in Umfragen st\u00e4rkste Kraft ist, wird die deutsche Demokratie in den n\u00e4chsten Jahren vor gro\u00dfe Zerrei\u00dfproben stellen. Die politische Landschaft Deutschlands erlebt eine tektonische Verschiebung, deren Ausgang ungewiss ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz aller Unkenrufe gibt es auch Stimmen, die eine Trendwende f\u00fcr m\u00f6glich halten. Der Politikwissenschaftler Thomas Biebricher von der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt erwartet zwar starke Ergebnisse der AfD bei den Landtagswahlen, sieht aber auch Potenziale f\u00fcr eine Stabilisierung der Koalition in Berlin, wenn es ihr gelingt, wirtschaftliche Erfolge vorzuweisen und die internen Streitigkeiten zu beenden. Die Bundesregierung verweist auf die Einf\u00fchrung des Industriestrompreises und die Fortschritte bei der Krankenhausreform als Belege f\u00fcr ihre Handlungsf\u00e4higkeit. Ob diese Argumente verfangen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Das Superwahljahr 2026 wird f\u00fcr die Koalition zur entscheidenden Bew\u00e4hrungsprobe \u2013 und f\u00fcr die deutsche Demokratie zu einer Zeit der Herausforderungen und m\u00f6glichen Neujustierung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Jahr nach dem Amtsantritt von Bundeskanzler Friedrich Merz und der Bildung einer schwarz-roten Koalition aus CDU\/CSU und SPD steht das Regierungsb\u00fcndnis massiv unter Druck. Am 6. 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